Die Öffentlichkeitsarbeit ist eine wichtige Säule unserer Arbeit für Information und Bewusstseinsbildung

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Wussten Sie schon,

dass in Burkina Faso ... ?

  • 115 Grundschulen von der Evangelischen Kirche betrieben werden.
  • 74,8 % aller 6-jährigen Kinder eingeschult werden können. Das sind doppelt soviel wie vor 25 Jahren. Die Mangoaktionen helfen.
  • nur 6% in einem Arbeitsverhältnis stehen. Alle anderen sind Subsistenzbauern, d.h. sie bauen das an, was sie für ihre Familien brauchen.
  • immer noch 14,6% der Kinder vor ihrem 5. Geburtstag sterben.
    Zuviel – doch 1990 waren es noch 20,8%.
  • 77 % der Bevölkerung nicht lesen und schreiben können
    (Frauen 87 %, Männer 67 %).
  • das Bruttoinlandsprodukt BIP zwar jährlich wächst, 2012 um 5,8%, doch mit 1000 € pro Kopf und Jahr zählt das Land auch 2014 immer noch zu den ärmsten der Erde. Von 175 Ländern belegt Burkina den Platz 173.
  • 46% der Bevölkerung jünger als 14 Jahre sind (in Deutschland sind es nur 14%).
  • jedes Jahr auch 11 Schulküchen über die Mangoaktionen finanziert werden. So erhalten 3.000 Kinder täglich eine warme Mahlzeit, das sind über 430.000 Portionen. Ein Mittagessen kostet 8 Cent.
  • die jährliche Inflationsrate 3,3 % beträgt. In Deutschland 2%, im Nachbarland Mali 4,1%.
  • die Mangoaktionen auch Einfluss auf staatliche Stellen haben. Seit dem Mangocrash 2004 müssen alle Früchte, die das Land verlassen, staatliche Kontrollstellen durchlaufen.
  • die Bevölkerung aus über 60 Ethnien besteht und ebenso viele traditionelle Sprachen gesprochen werden.
  • heute mehr als 17 Mio. Menschen leben. 1993: 10 Mio., 2000: 12 Mio. Einwohner, durchschnittliche Wachstumsrate: 3,1%. Lt einem UN-Bericht wird sich die Bevölkerung der 49 ärmsten Länder bis 2050 verdoppeln.
  • die Lebenserwartung im Schnitt 54,1 Jahre beträgt
    (Männer 52, Frauen 56).
  • Gold bei den Ausfuhrerlösen 65% beträgt. Baumwolle bislang Nr.1, beträgt nur noch 15%.
  • 26,2% aller Kinder unter 5 Jahren Untergewicht haben. 1990 waren es noch 36,9%.

Quellen: Weltentwicklungsbericht 2014
Munzinger Archiv 2013
Welthungerindex 2013

 

Die Mangofrucht


Herkunft
Die Mangofrucht stammt ursprünglich aus Indien und ist im tropischen Regenwald zu Hause. Die Pflanze wird erstmals in Hindu-Schriften erwähnt, die etwa aus der Zeit um 4000 v. Chr. stammen. In indischen Legenden wird die Mango als ‚Speise der Götter’ gepriesen. Von Indien aus wurde die Frucht in ganz Asien, den tropischen und subtropischen Gebieten Amerikas, Afrika und Israel heimisch. In Europa wird die Mango in Spanien und auf den kanarischen Inseln kultiviert.
Botanisch ist die Pflanze mit Pistazien und Cashewnüssen verwandt, sie gehört zur Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae – Nierenbaumgewächs). Der immergrüne Mangobaum kann bis zu 40 m hoch werden. Die kleinen weißen bis rosafarbenen Blüten stehen in aufrechten Rispen und duften
nach Lilien. Bis die Früchte reif sind dauert es 3 bis 6 Monate. Die reifen Mangos hängen an langen Stielen am Baum und erinnern an Weihnachtskugeln.
Die Frucht selbst ist oval bis nierenförmig und kann bis zu 2 kg wiegen, sie wird von einer wachsartigen Schale umgeben, deren Farbe grün, gelblich, orange oder rotviolett sein kein oder auch in allen 4 Farben
schillern kann. Das Fruchtfleisch besitzt eine tiefgelbe bis orange Farbe, ist sehr saftig und duftet in einer einzigartigen Intensität aromatisch-süßlich. In der Mitte befindet sich ein großer flacher, länglicher Kern, umgeben von einer holzigen, weißen Umhüllung.

Sorten:
Es gibt tausende von Mangosorten. Allein in Indien ist dies schon nicht mehr überschaubar, es werden jedoch nur ungefähr 20 Sorten nach Europa importiert. Sie unterscheiden sich in Form, Schalen- und Fruchtfleischfarbe, mit mehr oder weniger Fasern oder ganz ohne Fasern, es gibt eigroße Früchte von 100 g bis hin zu 2 kg schweren Mangos.
Eine kleine Auswahl der am häufigsten nach Europa eingeführten Sorten:
              Amélie: Rund, sehr wenig Säure, subtiles blumiges Aroma
              Kent: Oval, wenig Säure, saftig, leicht pflaumenartiger Geschmack
              Hayden: Oval oder rund, stark duftend, dezenter Geschmack nach Pfirsich
              Edward: Oval, sehr süß, konzentriertes an Pfirsich erinnerndes Aroma
              Osteen: Runde Form, süß, Nuancen von Traubenaroma

Nährstoffe:
Mit einem Energiegehalt von 60 kcal/100g sind Mangos weniger kalorienreich als Weintrauben (72 kcal) oder Kirschen (68 kcal), aber kalorienreicher als Äpfel (50 kcal). Proteine und Fette sind wie bei allen Früchten nur in sehr geringen Mengen vorhanden, der Wassergehalt liegt bei ca. 83 %. Zwei Vitamine enthält die Frucht in größeren Mengen, das Provitamin A, das wichtig für Haut und Sehfunktion ist und das immunsystemstärkende Vitamin C.
Der Gehalt an Provitamin A liegt bei der Mango zwischen 3 und 10 mg pro 100 g Fruchtfleisch, im Vergleich dazu hat die Honigmelone 2,0 mg/100 g und die Aprikose 1,6 mg/100 g. Das Vitamin C ist mit 39 mg/100 g vertreten und hat somit eine ähnliche Konzentration wie Zitrusfrüchte. An Mineralstoffen findet man vor allem Kalium mit 150 mg und Eisen, das eine Konzentration von 1,2 mg/100g erreicht, im Vergleich hat die Banane
nur 0,7 mg/100g. Auch Aroma- und Duftstoffe sind reich und komplex vorhanden. Sie gehören zur Gruppe der flüchtigen Aldehyde, Ester und Alkoholester. Vollreife Früchte haben besonders viel an Estern und verleihen der Mango ihr charakteristisches Aroma.

Energie 60 kcal; Wasser 82 g; Protein 0,6 – 0,9 g; Fett 0,1 g; Kohlenhydrate 12,5 g; Zitronensäure 295 mg;
Salizylsäure 110 mg; Natrium 5 mg; Kalium 190 mg; Kalzium 12 mg; Phosphor 13 mg; Magnesium 18 mg; Eisen 0,7 mg; Kupfer 120 mg; Jodit 2 mg; Karotin 3 mg; Vitamin E 1 mg; Vitamin B1 0,05 mg; Vitamin B2 0,04 mg; Niacin 0,7 mg; Folsäure 40 mg; Vitamin C 40 mg

Gesundheitswert:
Die Mango ist gesundheitlich sehr wertvoll und wird sowohl bei einer gesundheitsbewussten Ernährung als auch in der Krankenkost sehr geschätzt. Der hohe Vitamin und Mineralstoffgehalt sowie auch der Saftreichtum machen die Mango zu einem wichtigen Nahrungsmittel für die Menschen in den heißen Ländern.
Schon 200 g frisches Mangofleisch stimulieren sehr rasch den gesamten Stoffwechsel. Die Mango schützt die Körperzellen gegen freie Radikale, das Vitamin C festigt das Bindegewebe und das Zahnfleisch.


Rezepte und Serviervorschläge:

Wann ist eine Mango reif und zum Verzehr geeignet?
Den Reifegrad einer Mango erkennt man nicht an der Farbe der Schale sondern an der Weiche des  Fruchtfleisches. Hierzu drückt man einfach leicht mit einem Finger auf die Schale der Frucht, wenn diese leicht
nachgibt, ist die Frucht weich und saftig. Die Reife kann man auch daran erkennen, dass die Frucht je reifer sie ist umso süßlich aromatischer duftet.
Auch sollte man beachten, dass die Mango nicht allzu weich ist und dass die Schale nicht beschädigt ist.
Serviervorschläge:
Die Mango lässt sich auf vielfältige Art zerteilen und genießen. Sie kann mit einem Sparschäler geschält werden und das Fruchtfleisch mit einem Messer längs und quer zum Stein aufgeschnitten werden oder die Mango nach dem Schälen in Spalten schneiden wie einen Apfel. Manche bevorzugen die Mango mit der Schale quer zum Kern zum zerteilen, die beiden Hälften gegeneinander drehen und die Hälften auslöffeln oder das Fruchtfleisch in der Schale mit einem Messer in Würfelform schneiden, die Schale nach innen drücken und man hat einen Mangoigel.


Rezepte:
Scharfes Mango-Chutney
700 g Fruchtfleische einer noch nicht reifen Mango; 25 g Salz, 250 g frische Ingwerwurzel; Saft von 2 Limetten, 1 Teelöffel Senfkörner, 2 EL Chilipulver, 1,5 kg brauner Zucker, 650 g Ananas Fruchtfleisch, 1/2 Liter Weinessig. Die im Rezept angegebenen Mengen ergeben etwa 10 Gläser á 1/4 l Inhalt.
Mangos schälen, das Fruchtfleisch in Scheiben vom Kern schneiden, danach die Scheiben in Würfel schneiden. Das gewürfelte Fruchtfleisch in eine Schüssel geben, mit dem Salz bestreuen und 2 bis 3 Stunden ziehen lassen. Die Ingwerwurzel schälen und in dünne Scheiben schneiden. Davon die Hälfte mit dem Limettensaft, den Senfkörnern, dem Chilipulver und 2-3 EL von dem Zucker zu einer Paste verarbeiten. Die Ananas schälen, halbieren und den Strunk herausschneiden. Das Fruchtfleisch in kleine Würfel schneiden
und mit dem restlichen Zucker, den Ingwerscheiben, dem Essig und der Gewürzpaste etwa 10 Minuten kochen lassen. Dabei abschäumen. Dann die Mangowürfel zufügen und die Mischung 15 Minuten köcheln lassen, bis sie eine marmeladenartige Konsistenz erreicht hat und die Mangowürfel weich sind. Die heiße Mischung in die vorbereiteten sterilisierten Gläser füllen.
Tipp: Chutney kann man auch in kleinen Portionen einfrieren.

Süsses Mango-Chutney
1400 g Fruchtfleisch einer noch reifen Mango; 30 g Salz, 100 g frische Ingwerwurzel, 2 Knoblauchzehen
1 EL gehackte Chilischoten 1/4 Liter Obstessig; 1 kg brauner Zucker, 2 Sternais, 1 Zimtstange; 1 kg Zuckermelone, (ergibt etwa 800 g Fruchtfleisch)
Die im Rezept angegebenen Mengen ergeben etwa 10 Gläser á 1/4 Liter Inhalt.
Die Mangos schälen, das Fruchtfleisch vom Kern befreien und in Würfel schneiden. In eine Schüssel geben, mit dem Salz bestreuen und 2 bis 3 Stunden ziehen lassen. Die geschälte Ingwerwurzel, den Knoblauch und die Chilischoten in einem Mörser mit etwa 1/3 des Essigs zu einer Paste zerstoßen. Die gesalzenen Mangos mit dem Zucker, Anis und Zimt und einem weiteren Drittel des Essigs etwa 30 Minuten kochen, bis die Masse
dickflüssig, ähnlich einer Marmelade ist. Die Melone von Schale und Kernen befreien und das Fruchtfleisch in Würfel schneiden. Mit der Gewürzpaste zu den Mangos geben und den restlichen Essig zugießen. Weitere 20 Minuten leicht köcheln lassen und in sterilisierte Gläser füllen.

Mangosuppe mit Krabben und Ingwer
4 kleine Schalotten, 2 Zehen Knoblauch, 1 Knolle Ingwer, 2 reife Flugmangos, 2 EL Butter, 400 ml Kokosmilch, ca. 200 ml Hühnerbrühe, evtl. mehr, 2 Messerspitzen Safranfäden, 100 g frische Kaltwasserkrabben (Shrimps), einige Blüten Bio-Kapuzinerkresse, 3 bis 4 EL Rapsöl, zum Anschwitzen der Shrimps, Meersalz,
Cayennepfeffer
Die Schalotten und den Knoblauch fein hacken, den Ingwer schälen und ein circa drei Zentimeter langes Stück fein reiben. Die Mangos schälen und würfeln. Schalotten mit Knoblauch in Butter anschwitzen, Mangos und Ingwer dazugeben, mit Deckel etwa zehn Minuten schmoren. Mit Kokosmilch aufgießen, den Safran hinzufügen, alles mit dem Mixer pürieren und mit der Hühnerbrühe verlängern. Die Suppe mit Salz und Cayennepfeffer abschmecken. Die Krabben kurz in Rapsöl anschmoren und auf die Suppe geben. Mit den Kapuzinerblüten verzieren.
Vegetarier nehmen statt Hühnerbrühe Gemüsebrühe und statt Krabben geröstete Nüsse.

Möhren - Kokos - Suppe mit Mango
600 g Möhren, 30 g Ingwer, 2 Zwiebeln, 3 EL Öl, ¾ Liter Gemüsebrühe (evtl. etwas mehr, je nach gewünschter Konsistenz), 400g Kokosmilch, 1 Mango, 1 Bund Lauchzwiebeln, 1 Chilischote, 1 Limette, Salz,
1 Bund Schnittlauch zum Bestreuen der fertigen Suppe
Die Möhren schälen und würfeln. Ingwer und Zwiebeln schälen und hacken. Das Öl erhitzen. Möhren, Ingwer und Zwiebeln darin anbraten. Die Brühe zugeben und alles 8 bis 10 Minuten kochen. Die Hälfte der Möhren herausnehmen. Restliche Möhren in der Brühe pürieren. Möhrenwürfel und Kokosmilch in die Suppe geben. Mango schälen, entkernen und würfeln.
Chilischote und Lauchzwiebeln in Ringe schneiden. Chili, Lauchzwiebeln und Mangowürfel in der Suppe erhitzen. Mit Limettensaft und Salz abschmecken. Schnittlauchröllchen darüber streuen.

Exotisches Mango-Curry
1 Knoblauchzehe, 1/8 l Hühnerbrühe, 1 Stück Ingwer, 2 EL rotes Curry, Erdnussöl, 500 g Hühnerfilet, 1 große Mango, 1 TL Palmzucker, 1 Zitronengrasstange, Salz, 3 Frühlingszwiebeln, 150 g Sojasprossen, ca. 50 g Cashewnüsse, Sojasoße, 300 ml Kokosmilch, Sesamöl, Ingwer und Knoblauch schälen, klein schneiden und im Wok mit etwas Erdnussöl leicht anbraten.
Die Mango schälen und mit dem Zitronengras, Frühlingszwiebeln und Cashewnüssen zerkleinern und ebenfalls im Wok anbraten. Die Hälfte der Kokosmilch, Hühnerbrühe und Curry dazugeben und aufkochen lassen. Anschließend das Fleisch in Streifen schneiden, dazu geben, anbraten und die Sojasprossen hinzufügen. Die zweite Hälfte der Kokosmilch hinzufügen und mit Palmzucker, Salz, Erdnussöl,
Sojasoße und Sesamöl abschmecken.

 

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CETA und TTIP gefährden den Fairen Handel

Am 10. Oktober 2015 demonstrierten 250.000 Menschen in Berlin für gerechten Welthandel und gegen CETA und TTIP. Nur drei Tage vorher übergaben die Organisatoren der selbstorganisiertem Bürgerinitiative „Stopp TTIP“ 3,2 Millionen Unterschriften an die Europäische Kommission. CETA und TTIP erhitzen die Gemüter: Angst vor Hormonfleisch, Chlorhühnchen und Gentechnik prägen die Debatte. Doch worum genau geht es eigentlich bei den beiden Handelsabkommen? Und inwiefern haben sie Auswirkungen auf den Fairen Handel?

Was ist TTIP?
TTIP soll ein Abkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und den USA zum Abbau von Zöllen und der Setzung gemeinsamer, auch international geltender, Standards werden. Letzteres Ziel berührt Streitthemen wie die Verwendung von Gentechnologie. Zudem soll TTIP rechtlich so konstruiert werden, dass kein Staat es kündigen kann. Die Verhandlungen zu TTIP finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Weder Bundestagsabgeordnete noch deutsche Abgeordnete des Europäischen Parlaments haben die Unterlagen vorliegen. Daher fällt eine Sachdebatte über die vielen Aspekte in TTIP, die unser alltägliches Leben irreversibel beeinflussen könnten, schwer.

CETA – Die Blaupause von TTIP
TTIP wurde in Anlehnung an CETA entworfen, einem bilateralen Handelsabkommen für Zollabbau und Harmonisierung von Standards zwischen der EU und Kanada. Am 25. September 2014 wurden die Verhandlungen hierzu abgeschlossen. In dem finalen Text, der auf Englisch bereits frei verfügbar ist, wird Wirtschaftsförderung weit vor Menschenrechten und Umweltschutz gestellt. Derzeit wird der Text in alle europäischen Amtssprachen übersetzt. Anfang 2016 sollen sowohl die nationalen Parlamente als auch das Europäische Parlament darüber abstimmen.

Auswirkungen der Handelsabkommen auf Länder des Globalen Südens
CETA und TTIP werden öffentlich vor allem hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den europäischen bzw. deutschen Lebensstandard diskutiert. Dabei wird oft vergessen, dass die Bevölkerungen in Lateinamerika, Afrika und Asien auch von diesen Abkommen betroffen sein werden – und ihre Regierungen nicht einmal mitreden können. Die Mehrheit der Waren des Fairen Handels wird in vielen Ländern dieser Kontinente produziert. Seit über vier Jahrzehnten betreiben Fair-Handels-Organisationen und die Weltläden mit Ländern des Globalen Südens Handel für nachhaltige Entwicklung. Handelsabkommen wie CETA und TTIP werden erhebliche Auswirkungen auf diesen Handel haben.

Handelsumlenkungen erschweren den Handel mit Ländern des Globalen Südens
Das ifo Institut und das Deutsche Institut für Entwicklungshilfe (DIE) haben die Auswirkungen von TTIP auf Länder des Globalen Südens analysiert. Die beiden Institute kommen zu dem Schluss, dass sich das Abkommen durch Handelsumlenkungen nachteilig auf diese Länder auswirken wird. Handelsumlenkungen entstehen, wenn zwei Vertragspartner, im Fall von TTIP die EU und die USA, vereinbaren, gegenseitig weniger Zollgebühren zu verlangen. Für die Staaten in Lateinamerika, Afrika und Asien bleiben die Zölle für diese Waren jedoch weiterhin gleich hoch. Es besteht die Gefahr, dass mit ihnen weniger gehandelt wird, da der Preis der Produkte durch die Zölle höher ist. Länder des Globalen Südens geraten daher unter Druck, noch billiger zu produzieren, um ihre Waren trotzdem in der EU und den USA genauso günstig anbieten zu können wie die durch TTIP begünstigte Konkurrenz. Diesem Verdrängungswettbewerb stehen die Prinzipien des Fairen Handels wie der faire Mindestpreis für Produzent/innen und Kleinbäuer/innen entgegen. Der Faire Handel könnte daher durch die von CETA und TTIP ausgelösten Handelsumlenkungen geschwächt werden.

Rechtsunsicherheit gefährdet faire Beschaffung
Öffentliche Auftraggeber wie Bund, Länder und Kommunen können zu einem gerechten Welthandel beitragen, indem sie die Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien bei ihrer Vergabe fordern. Das Berliner FAIRgabe-Bündnis befürchtet auf Basis der vorhandenen Informationen über CETA, dass faire Beschaffung schwieriger wird, wenn CETA tatsächlich in Kraft tritt. Hindernisse stellen beispielsweise fehlende verbindliche Sozialstandards sowie die Investor-Staat-Streitschlichtung (ISDS) dar. CETA enthält ein Kapitel zu staatlichem Auftragswesen, das jedoch keine Sozialstandards beinhaltet. Damit wird es für öffentliche Auftraggeber schwieriger, ihre Spielräume zur Berücksichtigung sozialer und ökologischer Vergabekriterien zu nutzen. Da CETA als Blaupause von TTIP anzusehen ist, scheint es unwahrscheinlich, dass die EU und die USA Sozial- und Umweltstandards in ihr Kapitel zur staatlichen Beschaffung einarbeiten werden. Für TTIP ist außerdem relevant, dass die USA nur zwei der vier Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation zum Schutz der Arbeitnehmer/innen anerkannt haben: Die Abschaffung von Zwangsarbeit und der schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Jeder EU-Mitgliedsstaat hat auch das Diskriminierungsverbot und das Recht, seine Interessen in einer Gewerkschaft zu vertreten, unterzeichnet.

Zudem enthält CETA und damit wahrscheinlich auch das geplante TTIP ein Kapitel zur Streitschlichtung. Die Regeln zur Streitschlichtung räumen Investoren das Recht ein zu klagen, sollten sie von einem der am Abkommen beteiligten Staaten um erwartete Gewinne gebracht werden. Diese Investor-Staat-Streitschlichtung ist eine Einbahnstraße: Nur Investoren dürfen Staaten verklagen, nicht umgekehrt. Zudem wird der Streit nicht vor einem ordentlichen Gericht vor Richtern ausgetragen, sondern vor Fachanwält/innen aus Privatkanzleien. In den letzten 20 Jahren hat sich eine Internationale Industrie aus Klageanwält/innen entwickelt, denn als Schadensersatz winken Millionen. ISDS hat sich so entwickelt, dass Staaten auch dann zahlen müssen, wenn sie die Gewinnerwartung von Unternehmen zugunsten des Gemeinwohls schmälern, beispielswiese durch strengere Umweltstandards. Beispiele hierfür sind die laufende Klage von Vattenfall gegen Deutschland wegen Umweltauflagen beim Bau des Kohlekraftwerks Hamburg-Moorburg und die Klage des Wasser- und Energieversorgers Veolia gegen Ägypten wegen der Einführung des Mindestlohns.

Vor diesem Hintergrund erhöht sich auch die Rechtsunsicherheit in der öffentlichen Vergabe, Städte und Gemeinden werden weniger Anreize haben, das Risiko einzugehen, ihre Aufträge ausschließlich für Anbieter fair gehandelter Produkte auszuschreiben.

Es gibt Alternativen zu CETA und TTIP
In ihrer jetzigen Form sind CETA und TTIP Handelsabkommen, die nicht den Interessen der Bevölkerungen dienen. Die Verhandlungen sollten daher gestoppt oder ihre Zielrichtung geändert werden: die Auswirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten auf Menschenrechte und Umweltschutz sollten kontinuierlich berücksichtigt werden. Konkret würde dies eine Reihe von Veränderungen für die Verhandlungen zu TTIP bedeuten. Dazu zählen: den Ländern des Globalen Südens zugestehen, national angepasste Unterstützungsmaßnahmen für Kleinbäuer/innen und Produzent/innen durchzuführen, und Industrieländern erlauben, nachhaltige Entwicklung umfassend in ihrer öffentlichen Beschaffung zu fördern. Diese Forderungen finden bereits in dem Alternativen Handelsmandat für die EU Gehör. Zu den 50 europäischen und weiteren außereuropäischen Organisationen, die dieses Mandat 2013 entwickelten, gehören auch zahlreiche Organisationen aus der Fair-Handels-Bewegung. Ebenso nutzen auf Ebene der Vereinten Nationen  Fair-handels-Akteure multilaterale Foren, um gemeinsam eine neue Form von Welthandel zu schaffen, der Menschenrechte und Umweltschutz berücksichtigt.

Öffentlicher Widerstand lohnt sich
Im Rahmen der Gründung der Welthandelsorganisation WTO wurde 1995 in der Öffentlichkeit bekannt, dass Staaten das Multilaterale Investitionsabkommen (MAI) abschließen wollten. MAI kann als Vorgänger von ISDS angesehen werden. Nach jahrelangem, zähem Widerstand aus der international organisierten Zivilgesellschaft, ähnlich wie der Widerstand gegen TTIP und CETA, brach 1998 der Konsens unter den zukünftigen Vertragsparteien und MAI wurde nicht umgesetzt. 2012 überzeugte der Widerstand der europäischen Zivilgesellschaft gegen die Überwachung unserer elektronischer Kommunikation die Abgeordneten im Europäischen Parlament: Sie stimmten gegen das Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen. Zentrale Teile von ACTA finden sich jetzt in CETA wieder. Aus diesen Erfahrungen lässt sich erkennen: Massendemonstrationen wie in den 90er-Jahren können Staaten in ihrem Handeln beeinflussen.

Mit freundlicher Genehmigung von "WELTLADEN – FAIR EINKAUFEN", 3-2015, S. 10-12, von Theresa Lankes