"Fair kleidet"

Vortrag mit Modenschau im Rahmen von "Brot und Rosen" in der Spitalkirche

Foto: Tatjana Vecsey

Auf großes Interesse stieß die Veranstaltung „Fair kleidet“ am 26. März in der Spitalkirche. In einem spannenden Vortrag wurden die schwierigen Seiten der Bekleidungsindustrie beleuchtet, der Weltladen zeigte eine große Auswahl nachhaltiger, fair produzierter und gehandelter Mode. Ein unterhaltsamer, aufschlussreicher und inspirierender Abend. Und vermutlich das erste Mal, dass in der Spitalkirche eine Modenschau stattfand. 

Eingeladen hatten Faire Welt e.V. mit Weltladen, die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Herrenberg, die Evangelische Erwachsenenbildung und das Gleichstellungsbüro im Rahmen des Programms „Brot und Rosen“.

Mode ist ein schnelllebiges Geschäft. Bunt und stets den neuesten Trends folgend locken uns die Hersteller mit immer neuen Kleidungsstücken zum Kauf. Scheinbar gilt: Je mehr, desto besser, je billiger, desto besser, kaufen ohne Limit soll uns glücklich machen. 
 
Aber was steckt dahinter? Wo liegen die Schattenseiten dieses Konsumverhaltens? – Die Bekleidungsingenieurin Karin Pfisterer zeigte auf, welche Schäden diese Fast Fashion verursacht. Angefangen beim Baumwoll-Anbau mit seinem immensen Wasserverbrauch, mit dem Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Entlaubungsmitteln, über die Produktion, bei der Menschen unter schlimmsten Bedingungen und mit Billiglöhnen ausgebeutet werden, bis hin zum Handel und zur Entsorgung der viel zu vielen Kleidungsstücke, die so erzeugt, verkauft und oft auch ungetragen entsorgt werden. 
 
Wie kommt es zu dieser Entwicklung?  – Die Antwort ist komplex. Fest steht: Die Modeindustrie ist ein Milliardengeschäft, im Jahr 2023 wurde allein in Deutschland Kleidung im Wert von 78,6 Milliarden Euro gekauft, das sind im Schnitt 950 Euro pro Kopf. Rund 60 Kleidungsstücke pro Jahr kauft eine Person in Deutschland durchschnittlich. Der weltweite CO2 Ausstoß der Modeindustrie ist doppelt so hoch wie der, den Flugzeuge und Schifffahrt zusammen erzeugen. 
 
Was können wir dagegen tun? – Es liegt also nah, dass der erste und wichtigste Schritt zu einer Verbesserung darin liegt, weniger neue Mode zu kaufen. Schauen wir also mal in unseren eigenen Kleiderschrank und nutzen die Teile, die sich bereits darin befinden. Oder, wenn dann ein neues Kleidungsstück benötigt wird, schauen wir mal, ob wir nicht über Second-Hand-Angebote eine gute und nachhaltige Alternative zu einem Neukauf finden. Und schließlich können wir beim Kauf neuer Bekleidung auf eine nachhaltige und ökologische Produktion achten. 

Karin Pfisterer erläuterte den Unterschied zwischen konventionellem Baumwoll-Anbau und dem Anbau von GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle, bei der durch natürliche Fruchtfolge und Mischkulturen deutlich weniger Wasser verbraucht wird und deutlich weniger Pestiziden notwendig sind. Diese Anbauform ist nicht nur besser für die Natur, sondern sie wirkt sich auch auf deutlich geringere Belastung des Endproduktes mit Chemikalien aus. Und auch in der Herstellung gibt es große Unterschiede. Fair-Trade-Labels achten nicht nur auf ökologische Rohstoffe, sondern auch auf faire Produktionsbedingungen und hohe Sozialstandards. 

Dafür zeigte der Weltladen zahlreiche tolle Beispiele mit Geschichten, die anders sind und Mut machen. – Beispielsweise die Firma Global Mamas aus Ghana macht es vor: Ziel ist es, die Benachteiligung afrikanischer Frauen zu reduzieren. Die Mitarbeiterinnen bei Global Mamas erhalten nicht nur faire Löhne, sie sind auch in Design, Produktionsprozesse und Unternehmens-entscheidungen eingebunden.

Weitere faire Kleidung, die der Weltladen verkauft und präsentiert hat, sind zeitlose Stücke von Madness, bedruckte Shirts von Greenbomb, Jeans von Bloomers, Hemden von HempAge sowie zahlreiche Accessoires wie Hüte, Körbe, Taschen und Schals. Danke an Katja für die Moderation der Modenschau sowie Hanne und Marita für die umfangreiche Vorbereitung und Organisation dieses Events!

Foto: Tatjana Vecsey

Und hier bekommen Sie einen kleinen Eindruck unserer Modenschau. Und ein Besuch im Weltladen lohnt sich natürlich auf jeden Fall! – Danke an Tizian für die Fotos!

Wir danken allen Models fürs Mitmachen! Und natürlich allen, die an der Organisation und Durchführung der Veranstaltung beteiligt waren. Dankeschön!