Weltladen-Angebot an der "AGH-Uni"

Projekt "FairAntwortung For Future" - Besuch im Welthaus Stuttgart

Wie schätzt ihr die globale Gerechtigkeit ein? Genau um diese große Frage drehte sich alles am 24. September 2026 bei dem Kooperationsprojekt „FairAntwortung For Future“. Das Team Bildung von Faire Welt e.V./Weltladen Herrenberg veranstaltete diesen interaktiven Projekttag mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 10 und 11 des Andreae-Gymnasiums Herrenberg im Rahmen der „AGH-Uni“.

Das Projekt verfolgte das Ziel, Jugendliche praxisnah für die Themen globale Gerechtigkeit, nachhaltigen Konsum und persönliche Verantwortung im Alltag zu sensibilisieren. Referentin Melanie Vollmer vom Welthaus Stuttgart führte durch den Workshop und begleitete die Gruppe zu den Stationen des anschließenden Rundgangs in Stuttgart.

Der Einstieg in den Projekttag widmete sich der Frage, wie stark unser Alltag mit dem globalen Süden verknüpft ist. Am Beispiel alltäglicher Konsumgüter wie Bananen aus Ecuador, Kakao aus Ghana, Smartphones und Kleidung aus Asien wurde die Komplexität globaler Lieferketten verdeutlicht. Eindrücklich war für die Jugendlichen die Erkenntnis, dass eine herkömmliche Jeans im Schnitt 60.000 Kilometer zurücklegt, bevor sie im Laden verkauft wird.

Das Spiel mit der Weltplane und globale Verflechtungen

Das Highlight des Vormittags war das interaktive Spiel auf einer großformatigen Weltkarte, der Weltspielplane. Die Jugendlichen gingen hierbei auf eine globale Spurensuche. Richtig packend wurde es bei den Schätzspielen direkt auf der Plane. Zunächst schätzten die Schülerinnen und Schüler die Verteilung der rund 8 Milliarden Menschen weltweit, symbolisiert durch Hütchen, absolut treffsicher ein. Bei der anschließenden Verteilung des Welteinkommens an Besitz und Verdienst mittels 30 Geldscheinen entstand eine rege, kritische Diskussion. Das Ergebnis brachte alle zum Nachdenken, da die reale Verteilung stark von den Schätzungen der Jugendlichen abwich und vor Augen führte, wie ungerecht Wohlstand global verteilt ist.

Theorie der Nachhaltigkeit und Fokus auf die Kakaolieferkette

Ausgehend vom historischen Nachhaltigkeitsbegriff durch Hans Carl von Carlowitz wurde das heutige Drei-Säulen-Modell aus sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit diskutiert. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen auseinander und analysierten kritisch, in welchen Bereichen, insbesondere beim Klimaschutz und dem nachhaltigen Konsum, in Deutschland noch akuter Handlungsbedarf besteht. Zudem wurde die CO2- und Methan-Problematik seit 1850 thematisiert und analysiert, warum die meisten Treibhausgase bedingt durch globale Produktionsstätten und westliche Lebensstile in Asien und Nordamerika entstehen. Am konkreten Beispiel des Kakaoanbaus in Ghana und der Elfenbeinküste wurden die ökologischen Folgen von Monokulturen und die harten sozialen Arbeitsbedingungen beleuchtet.

Als Lösungsansatz wurde der Faire Handel erörtert inklusive einer kritischen Reflexion über Wertschöpfung vor Ort, wie etwa durch Fairafric. Der Faire Handel setzt hier als konkrete Lösung an, um Monokulturen und schlechte Arbeitsbedingungen zu stoppen, damit die Wertschöpfung in dem Land bleibt, indem die Rohstoffe wachsen.

Rundgang zu praktischen Beispielen von Fairem Handel und Nachhaltigkeit

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Kantine des Innenministeriums wurde beim Besuch von drei zukunftsweisenden Initiativen verdeutlicht, wie die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen vom Vormittag in die Praxis umgesetzt werden.

Die erste Station bildete der Weltladen an der Planie, der einen direkten Einblick in die Praxis des Fairen Handels bot. So konnten die Schülerinnen und Schüler auch die fair produzierte Schokolade von Fairafric verkosten. Bei Fairafric wird der gesamte Schokoladen-Herstellungsprozess vom Kakaoanbau bis zur versandfertig verpackten Schokolade direkt vor Ort in Ghana abgewickelt.

Danach folgte eine Führung durch die Secontique in der Eberhardstraße. Die Kollektion umfasst Kleidung, Schuhe und Accessoires. Jedes Stück wird sorgfältig geprüft, um sicherzustellen, dass es den Qualitätsstandards entspricht. Die Boutiquen unter der Marke SECONTIQUE werden in verschiedenen Städten von der Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart e.V. betrieben. Mit dem Gewinn werden weltweit soziale Projekte gefördert.

Den Abschluss bildete das Foodsharing-Café Raupe Immersatt in der Johannesstraße. Dies ist ein genossenschaftlich organisiertes Café. Dort erfuhren die Schülerinnen und Schüler mehr über das Konzept des Foodsharings zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung. Es werden kostenlose, gerettete Lebensmittel und Getränke angeboten. Die Kundinnen und Kunden bestimmen den Preis dafür selbst. Ein beeindruckendes Projekt.

Ein fantastischer Tag mit ehrlichen Gedanken

Der Projekttag war ein voller Erfolg. Die Jugendlichen waren gut dabei, haben clever geschätzt und kritisch hinterfragt. Es gelang der Spagat, globale Problemfelder aufzuzeigen, ohne Ohnmacht zu erzeugen. Stattdessen wurden konkrete, niedrigschwellige Handlungsoptionen für den eigenen Alltag vermittelt.

Besonders berührend war der offene Austausch, bei dem die Jugendlichen für sich erkannten, dass sie selbst im Alltag durch kleine Schritte etwas beitragen können. Jedoch merkten sie auch kritisch an, dass im Großen und Ganzen viel mehr passieren müsste. In der Realität, so die Sorge der Teilnehmenden, kaufen viele Menschen die teureren, fair gehandelten Produkte aus Geldmangel oder Gewohnheit schlichtweg nicht. Auch das Thema Aufklärung wurde hinterfragt, da der Lerneffekt oft nur kurze Zeit anhalte, bevor der Alltag einen wieder einholt. Diese Gedanken zeigen, wie tief die Jugendlichen in die Materie eingetaucht sind.

Danke an Elke Rinderknecht, Magdalene Ritter und Andrea Stöffler von Faire Welt e.V./Weltladen Herrenberg für die Vorbereitung und Begleitung.

Gefördert durch den „Herrenberger Projektepool“, ein Förderprogramm für Bürgerinnen und Bürger mit Projektideen. Der Projektepool ist eine Idee von Engagierten und der Stadt Herrenberg, die ihn gemeinsam betreiben.